Jeder Segler hat ein Dingi. Außenborder dran, irgendwo am Heck festgezurrt – Standardprogramm.
Und dann gibt’s uns. Mit einem aufblasbaren Kajak.
Als wir das Ding gekauft haben, hat uns die Segler-Community ein bisschen schief angeschaut. Und ganz ehrlich: Wir haben’s ja verstanden. „Wie wollt ihr denn damit vernünftig an Land kommen?“ oder „Was macht ihr bei Wind und Welle?“ waren so die Standardfragen. Nach drei Monaten im Test können wir aber sagen: Es ist anders, als wir dachten. Teils besser, teils schlechter, teils einfach überraschend.
Die positiven Seiten
1. Muskelkraft statt Sprit
Kein Benzin, kein Diesel – nur Kalorien. Und die können wir auf dem Boot echt gut gebrauchen, denn viel Bewegung gibt’s hier draußen sonst nicht. Kajakfahren = kostenloses Fitnessstudio mit Aussicht.
2. Sicherheit
Außenborder = Benzin. Benzin = brandgefährlich. Wir müssen uns darüber keine Gedanken machen. Noch ein Punkt, der uns gefällt.
3. Platzsparend (theoretisch)
Das Kajak ist aufblasbar und ließe sich komplett zusammenfalten. Haben wir aber in drei Monaten nicht ein einziges Mal gemacht. Zu faul zum Luftablassen. Wir ziehen es einfach hinterher oder hieven es an die Bugspitze – funktioniert wunderbar.
4. Stabiler als gedacht
Wir wollten es eigentlich nicht testen, aber das Mittelmeer hatte andere Pläne: Wellen von einem halben bis fast einem Meter, über 20 Knoten Wind – und wir sind trotzdem vorangekommen. Zu zweit sogar fast schneller als alleine. Nicht schlecht für so ein „Plastikboot“.
5. Überraschend flexibel beim Anlanden
Das hätten wir nicht gedacht: Mit dem Kajak konnten wir an Orte anlanden, wo Dinghis direkt verjagt wurden. Wir sehen halt aus wie zwei harmlose Touris, nicht wie die üblichen Dingi-Fahrer. Selbst im Schwimmbereich haben die Leute öfter mal ein Auge zugedrückt.
6. Einkäufe gehen klar
Zwei Rucksäcke sind machbar. Einmal haben wir sogar ein Fahrrad transportiert. Sah sicher lustig aus – aber es ging.
Die Schattenseiten
1. Platzmangel
Der größte Minuspunkt: Größe. Zu zweit alles gut. Zu dritt? Gequetsche pur. Einkäufe für eine Woche? Vergiss es. Da muss man entweder mehrfach fahren oder kreativ stapeln.
2. Wasser im Boot
Unser Kajak hat einen zweiten Boden als „Wasserauffangbehälter“. Klingt praktisch – bis man mal von großen Wellen am Strand erwischt wird. Da stand das Kajak so voll, dass es kaum noch steuerbar war. Rauskriegen? Ein Horror.
3. Belastungsgrenzen
Mit Gästen wie unserem Mitsegler Attila war schnell klar: für große Menschen oder drei Erwachsene ist es einfach nicht gemacht. Beim nächsten Mal würden wir wahrscheinlich gleich ein Dreier-Kajak kaufen.
Haltbarkeit & Fazit
Wir waren skeptisch: Sonne, Salzwasser, Felsen – wie lange hält so ein aufblasbares Kajak durch?
Überraschung: Bisher tadellos. Wir haben es teilweise ziemlich schlecht behandelt (Dauer im Wasser, einmal sogar mit Bewuchs drunter), und trotzdem funktioniert es immer noch einwandfrei. Auch kleine Rempler an Felsen haben nichts ausgemacht.
Unser Modell: ein Decathlon Itiwit für zwei Personen. Kein Sponsoring, keine Werbung – nur ehrliche Erfahrung. Es wiegt um die 20 Kilogramm, kommt mit Rucksack und ist leicht tragbar. Für Segler, die Sprit sparen wollen, Bewegung suchen oder zusätzlich ein kleines „Natur-Erkundungs-Gefährt“ brauchen, ist es definitiv eine Überlegung wert.
Wir haben sogar Segler getroffen, die sich das Kajak zusätzlich zum Dingi geholt haben, um leise in Naturschutzgebieten oder entlang von Felsen unterwegs zu sein. Und dafür ist es perfekt.
Unser Resümee
Das Kajak ist ein Ersatz für den Dingi, kein „Bequemer“ aber ein günstiger und sogar sicherer. Aber nicht so flexibel für einen Gruppentransport. Dennoch eine überraschend gute Wahl: günstig, simpel, umweltfreundlich, und es hält besser durch, als wir dachten.
Wir bleiben erstmal beim Kajak – und sind gespannt, wie lange es uns noch treu begleitet.
