⚓⛓️ Ankerkette berechnen – wie viel Kette muss raus?
„Drei mal Wassertiefe? Fünf mal? Sieben?" – die Antworten gehen auseinander, und an einem unruhigen Ankerplatz in der Cala wird aus der Theorie schnell eine ungemütliche Nacht.
Wir hatten das selbst – an einem windigen Abend in Mallorca dachten wir, 4× Tiefe reicht schon. Reichte nicht. Seitdem benutzen wir feste Faustformeln und diesen kleinen Rechner. Er sagt dir in zwei Eingaben, wie viel Kette du stecken solltest – abhängig von Tiefe, Wind und Wellengang.
⚓ Ankerkette-Rechner
📐 Wie wird die Ankerkette berechnet?
Die einfachste Faustformel lautet:
Kettenlänge = (Wassertiefe + Bughöhe) × Faktor
Der Faktor hängt von den Bedingungen ab:
- 3× Tiefe – ruhige Bucht, kein Wind, kurzer Stopp zum Schwimmen
- 4× Tiefe – Standard für eine ruhige Nacht bei moderatem Wind
- 5× Tiefe – Wind ab 4 Bft oder beginnender Wellengang
- 7× Tiefe – ab 6 Bft, deutlicher Wellengang
- 10× Tiefe – Sturm-Vorbereitung, mehrere Anker, evtl. zusätzlich Leine als Ruckdämpfer
Die Bughöhe wird oft vergessen – ist aber wichtig: Die Kette zieht nicht vom Wasserspiegel, sondern von der Klüse am Bug. Bei einer 30-Fuß-Yacht sind das schnell 1,2–1,8 m zusätzlich.
Warum überhaupt so viel Kette?
Damit der Anker richtig hält, muss er waagrecht am Boden gezogen werden – nicht schräg nach oben. Je länger die Kette gesteckt ist, desto flacher der Zugwinkel und desto besser hält der Anker. Außerdem wirkt die durchhängende Kette wie ein Stoßdämpfer: Wenn das Boot bei einer Welle nach oben gerissen wird, hebt sich erst die Kette – nicht der Anker.
🌊 Beispiele aus der Praxis
Beispiel 1: Ruhige Bucht in Mallorca, 6 m Tiefe
- Wassertiefe: 6 m
- Bughöhe: 1,5 m
- Bedingungen: leichter Wind, 3 Bft
- Rechnung: (6 + 1,5) × 4 = 30 m Kette
Beispiel 2: Frischer Wind in Formentera, 10 m Tiefe
- Wassertiefe: 10 m
- Bughöhe: 1,5 m
- Bedingungen: 5 Bft, etwas Schwell
- Rechnung: (10 + 1,5) × 5 = 58 m Kette
Beispiel 3: Sturm-Vorbereitung, 8 m Tiefe
- Wassertiefe: 8 m
- Bughöhe: 1,5 m
- Bedingungen: 7+ Bft erwartet
- Rechnung: (8 + 1,5) × 10 = 95 m Kette (plus Hilfsanker!)
🔄 Schwojkreis nicht vergessen
Wer viel Kette steckt, schwojt auch weit – das heißt: Das Boot dreht sich um den Anker, je nach Wind- und Strömungsrichtung. Der Schwojkreis hat als Radius:
Schwojradius ≈ Kettenlänge + Bootslänge
Bei 50 m Kette und einer 10 m Yacht reden wir also von einem 60 m Radius, also einem 120-m-Kreis. Beim Anlegen unbedingt checken, ob da noch andere Boote, Untiefen oder Felsen drinliegen. Andere Boote schwojen ggf. anders – z.B. bei wechselnden Strömungen.
💡 Praxis-Tipps für besseres Ankern
- Kettenlänge markieren: Alle 10 m mit farbigen Kabelbindern oder Sprühlack markieren. Im Dunkeln kein Schätzen mehr.
- Rückwärts eindampfen: Nach dem Stecken kurz mit Maschine rückwärts ziehen, damit der Anker fasst.
- Peilung nehmen: Zwei feste Punkte an Land peilen. Bei Verschieben weißt du es sofort.
- Ankeralarm einschalten: Apps wie Anchor! oder das Plotter-eigene System nutzen.
- Snubber/Rappelhemmer: Eine Leine zwischen Kette und Klampe nimmt Ruck und Kettengeräusch raus.
❓ Häufige Fragen zur Ankerkette
Wie viel Ankerkette pro Meter Tiefe?
Als Faustregel gilt das 4- bis 5-fache der Wassertiefe (plus Bughöhe) bei normalen Bedingungen. Bei stärkerem Wind oder Welle entsprechend mehr – bis zum 7- oder 10-fachen bei Sturm.
Welche Faustformel für die Ankerkette?
Die gängigste Formel lautet: Kettenlänge = (Wassertiefe + Bughöhe) × 4 für ruhige Verhältnisse. Bei mehr Wind erhöht sich der Faktor auf 5, 7 oder 10.
Wie lang sollte die Ankerkette mindestens sein?
Für eine 30–40 Fuß Yacht im Mittelmeer sind mindestens 50–60 m Kette üblich, besser 70–80 m. Wer auch in tieferen Buchten oder bei Sturm ankern will, sollte 100 m mitführen.
Kette oder Ankerleine – was ist besser?
Vollkette ist im Mittelmeer Standard, weil sie durch ihr Gewicht für einen flachen Zugwinkel sorgt. Eine Mischung aus Kette (mind. 5–10 m am Anker) und Leine ist leichter und günstiger, braucht aber bei gleichen Bedingungen mehr Länge und funktioniert nur bei sandigem oder schlammigem Untergrund gut.
Was bedeutet "5 zu 1" beim Ankern?
"5 zu 1" oder "5:1" bedeutet, dass die Kettenlänge das 5-fache der Wassertiefe beträgt – also bei 8 m Tiefe insgesamt 40 m Kette. Englisch heißt das "scope".
Wie viel Kette für eine ruhige Nacht?
Bei moderatem Wind (bis 4 Bft) und Welle reicht meist das 4-fache der Wassertiefe plus Bughöhe. Bei 8 m Tiefe also etwa 38 m Kette. Wenn unsicher: lieber etwas mehr stecken.
Welche Stärke sollte die Ankerkette haben?
Die Kettenstärke hängt vom Bootsgewicht ab. Faustregel: 8 mm für Yachten bis 10 m, 10 mm für 10–13 m, 12 mm für größere Yachten. Im Zweifel die Empfehlung des Werfts oder Anker-Herstellers verwenden.
Wie markiere ich die Ankerkette am besten?
Beliebte Methoden: farbige Kabelbinder alle 5 oder 10 m, Sprühlack-Markierungen, spezielle Kettenmarker aus Kunststoff oder Tape. Wichtig: das System muss auch nachts und bei Regen erkennbar sein.
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